Das Gedicht zum Monat Juni

von Stephan Ebers


Juni - Sonntag

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feucht heiße Luft wabert,

flirrt über den schwarzen Liegen.

Komposthaufen umschwärmt

von blau glänzenden Fliegen

der Jupp japst:

Verdammte Silikose.“


Das Grün säuberlich begrenzt

durch Zaun und geharkte Wege,

Der Triumphbogen bleibt Skelett.

Dieses Jahr wollen die Rosen nicht.

Die Nachbarin nickt:

Heute gibt’s noch was.“

Jupp hustet zustimmend.


Die deutsche Flagge

wiegt sich im heißen Wind -

Sieger gibt es hier keine.

Überlebende nur, die den

den Rentenbeginn erreichten.

Bei Liesnicks sprießt das Unkraut“.






Jupp schüttelt den Kopf.

Ist so eine Luft wie im Walzwerk,

unter Tage war es nur warm.“

Die Nachbarin dreht sich um,

mustert die Fußgänger am Zaun:

Fremde laufen hier wieder lang.“


Kannste nix machen“,

Jupp schlurft über den Kiesweg

in die Geborgenheit seines Häuschens.

Wie ein Zeichen aus einer anderen Welt:

Kinder kreischen, Wasser platscht,

Borkowskis Enkel im Schwimmbassin.



Fernes Brummen der Rasenmäher

mischen sich mit Radiogegurgel.

Liebe, Triebe hummtata.

Eine gebrochene Altstimme

singt den Refrain dazu.

Oma Harting ist schwerhörig.


Das ist das Land ihrer Träume

nach Zeche, Hochofen, Kokerei.

Die Wärme ist geblieben,

die Gesundheit nicht.

Ein schöner Sonntag

- im Juni.









Bild (oben): Schrebergärten um den Wasserturm in Mühlheim (Ruhr)
Bild (unten):Förderturm Zeche Zollverein (Essen)

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